Togolok Moldo: kirgisischer Dichter und Manastschi

Togolok Moldo, mit bürgerlichem Namen Bayymbet Abdrakhman uulu, war ein kirgisischer Akyn, Manas-Erzähler und Folklorist, der mündliche Aufführung in Handschrift und Druck überführte.

Warum Togolok Moldo wichtig ist

Togolok Moldo arbeitete an der Schnittstelle zweier literarischer Welten. Als Akyn und Manas-Erzähler trat er vor Zuhörern auf und bewahrte epische Episoden, Lieder, Sprichwörter und Geschichten im Gedächtnis. Als schriftkundiger Autor und Sammler hielt er eigene Werke und Stoffe aus der mündlichen Tradition auf Papier fest. Dadurch konnten spätere Forscher mehr untersuchen als bloß nachträgliche Erinnerungen an eine vergangene Aufführung.

Eine einzige Berufsbezeichnung reicht für ihn nicht aus. Er schrieb lyrische und satirische Gedichte, arbeitete mit Fabeln und längeren Verserzählungen, trug Epen vor und sammelte Folklore. Viele Menschen begegnen seinem Namen zuerst auf einem Geldschein oder einem Straßenschild in Bischkek. Hinter dem bekannten Porträt steht jedoch eine Biografie, in der Lesen und Schreiben zum Werkzeug für die Bewahrung des gesprochenen Wortes wurden.

Er wurde am 10. Juni 1860 geboren und starb am 4. Januar 1942. In dieser Zeit erlebten Naryn und das Tschüi-Tal die späte Zarenzeit, die Umbrüche von 1916, die Revolution und die Entstehung der Sowjetrepublik. Seine vorrevolutionären und sowjetischen Texte gehören deshalb in unterschiedliche politische Zusammenhänge. Eine chronologische Lektüre ist hilfreicher als der Versuch, sein Leben in eine glatte ideologische Erzählung zu pressen.

Name und Künstlername

Der Name des Dichters lautet Bayymbet Abdrakhman uulu. In russischsprachigen Quellen der Sowjetzeit stehen meist die Formen Bayymbet Abdrakhmanov oder Abdyrakhmanov. Geboren wurde er in Kurtka, im heutigen Bezirk Ak-Talaa des Gebiets Naryn.

Eine wichtige Bezugsperson seiner Kindheit war Muzooke, ein älterer Verwandter, Komuz-Spieler und Kenner epischer Erzählungen. Er machte Bayymbet mit Volksmärchen und Episoden aus Manas, Kurmanbek, Er Toshtuk, Janyl Myrza und weiteren Stoffkreisen vertraut. Laut der biografischen Darstellung der Nationalbank begann Bayymbet etwa mit vierzehn Jahren, Gedichte zu verfassen und aufzuschreiben.

Sein Künstlername verweist auf Aussehen und Bildung. Togolok wird gewöhnlich mit seiner gedrungenen Gestalt und dem runden Gesicht verbunden; moldo bezeichnete in diesem Zusammenhang einen Mann, der lesen und schreiben konnte. Eine wörtliche deutsche Übersetzung verliert einige soziale Nuancen, erklärt aber, wie aus einem Beinamen der dauerhafte Autorenname wurde.

Von der mündlichen Aufführung zur Handschrift

Im Tschüi-Tal begegnete Bayymbet kirgisischen und kasachischen Improvisationsdichtern, las klassische persische und turksprachige Autoren und lernte beim Manas-Erzähler Tynybek. In dieser Umgebung existierte ein Epos nicht als endgültig festgelegte Ausgabe. Der Vortragende bewahrte Handlung, Formeln und Bilder und setzte die Erzählung vor jedem Publikum neu zusammen.

Togolok Moldo übertrug einen Teil dieses lebendigen Materials auf Papier. Er zeichnete eine eigene Fassung des Semetey auf und sammelte Legenden, Sprichwörter und Redewendungen. Die Nationale Akademie der Wissenschaften führt eine eigenständige, 680 Seiten umfassende Ausgabe des Manas in seiner Version auf. Sie ist als geschlossene Tradition eines Erzählers zu verstehen, nicht als korrigierter Urtext des Epos.

Diese Unterscheidung hilft auch heutigen Lesern. Unser Beitrag über Manas-Erzähler erklärt, warum das Epos keinen einzigen unveränderlichen Wortlaut besitzt. Togolok Moldos Biografie zeigt den nächsten Schritt: wie die Fassung eines konkreten Vortragenden zur Handschrift, zum Archivgut und schließlich zum Buch werden konnte.

Ybraiym Abdyrakhmanov, Togolok Moldo und Sayakbay Karalayev in den 1930er Jahren

Auf dieser Aufnahme aus den 1930er Jahren sitzt Togolok Moldo in der Mitte. Links ist Ybraiym Abdyrakhmanov zu sehen, den die Archivbeschreibung als seinen persönlichen Sekretär bezeichnet; rechts sitzt der Manas-Erzähler Sayakbay Karalayev. Das Foto bringt Menschen zusammen, durch deren Arbeit mündliche Aufführung in die Archive des 20. Jahrhunderts gelangte.

Worüber er schrieb

Zu seinen frühen Werken gehörten Liebesgedichte und Verse über die Stellung von Frauen in der traditionellen Gesellschaft. Die Biografie der Nationalbank nennt unter anderem Schwarze Augen, Tolgonai, die Ansprache eines jungen Mannes an eine Frau, ihre Antwort und das längere Gedicht Urpukan. Die Titel unterscheiden sich je nach russischer oder deutscher Übertragung. Wer den Text genau einordnen möchte, sollte deshalb immer die zugrunde liegende kirgisische Ausgabe prüfen.

Ein anderer Teil seines Werks arbeitet mit Satire und Allegorie. Im kirgisischen Literaturunterricht stehen Texte wie Kemchontoy und Kushtardyn angemesi neben Tierfabeln und Gedichten, die Gier, Eitelkeit oder Ungerechtigkeit durch Streit und komische Übertreibung sichtbar machen. Die moralische Aussage entsteht aus Handlung und Stimme, nicht aus einer trockenen Belehrung.

Die sowjetische Literaturkritik teilte das Werk häufig in eine Zeit vor und nach der Revolution. Sie betonte im ersten Abschnitt soziale Kritik und im zweiten die Zustimmung zur neuen Ordnung. Dieses Schema gehört inzwischen selbst zur Rezeptionsgeschichte. Es erklärt, wie Togolok Moldo herausgegeben und kanonisiert wurde, darf aber die Vielfalt seiner Gattungen und Zuhörerschaften nicht verdecken.

Veröffentlichung und späte Jahre

Ab 1925 erschienen Werke von Togolok Moldo im Druck. Zu den frühen Veröffentlichungen gehörte Nasyat, meist mit Belehrung oder Rat übersetzt. Der Buchdruck veränderte die Rezeption: Ein Text aus einer Aufführungskultur erreichte nun Leser, ohne dass der Akyn selbst anwesend war.

1938 wurde er in den Schriftstellerverband Kirgisistans aufgenommen. 1939 nahm er an der ersten Dekade der kirgisischen Kunst und Literatur in Moskau teil und erhielt den Orden Zeichen der Ehre. Damit war er Teil des sowjetischen Kultursystems, das Handschriften bewahrte und neue Ausgaben ermöglichte, zugleich aber ein offizielles Bild des „Volksakyns“ formte.

Togolok Moldo starb 1942 in seiner Heimatregion. Das Porträt am Anfang dieser Seite entstand ein Jahr vor seinem Tod. Es ist aussagekräftiger als eine spätere idealisierte Darstellung: zu sehen ist der alte Mann, dessen handschriftliche Arbeit in Forschungsinstituten, Schulprogrammen und modernen Editionen weiterleben sollte.

Das Porträt auf 20 Som

Togolok Moldos Porträt befindet sich auf der Vorderseite des heutigen 20-Som-Scheins. Die Rückseite zeigt die Karawanserei Tasch Rabat im Gebiet Naryn. Ein eigener Artikel erklärt Gestaltung, Ausgaben und Sicherheitsmerkmale der 20-Som-Banknote.

Muster von Vorder- und Rückseite des 20-Som-Scheins mit dem Porträt Togolok Moldos

Auch Straßen, Schulen und Siedlungen tragen seinen Namen; in Bischkek steht ein Denkmal. Solches öffentliches Gedenken macht eine Person bekannt, verkürzt ein vielschichtiges Leben jedoch leicht auf wenige Symbole. Der Geldschein ist ein guter Ausgangspunkt, die Handschriften erklären jedoch, warum seine Arbeit Teil des nationalen Gedächtnisses wurde.

Ein Einstieg in sein Werk

Für den Anfang eignet sich eine kurze Gattung. Die Fabeln zeigen seine satirische Stimme, die Lyrik seine Arbeit mit direkter Anrede, während eine Epenfassung mehr Zeit und Verständnis für Aufführungspraxis verlangt. Bei Übersetzungen lohnt sich ein Blick auf Übersetzer und Ausgangsausgabe: Zwei Bücher mit demselben deutschen Titel müssen nicht denselben kirgisischen Text wiedergeben.

Danach bietet sich ein Vergleich mit Toktogul Satylganow und Sayakbay Karalayev an. Toktogul erschließt eine andere Linie der Akyn-Improvisation und Komuz-Kultur; Karalayev zeigt den Umfang einer Manas-Aufführung im 20. Jahrhundert. Unser Beitrag über die Komuz führt in das musikalische Umfeld ein, in dem viele Lieder und improvisierte Verse zirkulierten.

Eine ausführliche biografische Darstellung bietet die Nationalbank der Kirgisischen Republik. Die Nationale Akademie der Wissenschaften führt wissenschaftliche Ausgaben verschiedener Manas-Fassungen auf, darunter diejenige von Togolok Moldo.

Häufige Fragen zu Togolok Moldo

Wie lautete Togolok Moldos bürgerlicher Name?

Er hieß Bayymbet Abdrakhman uulu. In russischsprachigen Quellen sind die Formen Bayymbet Abdrakhmanov und Bayymbet Abdyrakhmanov verbreitet.

Wer war Togolok Moldo?

Er war ein kirgisischer Akyn, schriftlich arbeitender Dichter, Manas-Erzähler und Sammler von Folklore. Er trug mündliche Erzählungen vor und zeichnete zugleich eigene Werke und Epenfassungen auf.

Was bedeutet der Name Togolok Moldo?

Der Künstlername wird gewöhnlich mit seiner gedrungenen, rundgesichtigen Erscheinung und seiner Schriftkundigkeit verbunden. Moldo bezeichnete in diesem biografischen Zusammenhang einen Mann, der lesen und schreiben konnte.

Auf welchem Geldschein ist Togolok Moldo abgebildet?

Sein Porträt ist auf der Vorderseite des kirgisischen 20-Som-Scheins zu sehen. Die Rückseite der aktuellen Ausgabe zeigt die Karawanserei Tasch Rabat.

Mehr zum Thema: Toktogul Satylganow: kirgisischer Akyn und Komuz-Meister, Jusup Abdrachmanow, Yusuf Balasaguni: Autor des Kutadgu Bilig.

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