Inhalt:
- Warum Maldybaev wichtig ist
- Der „Sängerknabe“ aus Kara-Bulak
- Schauspieler, Tenor und Bühnenkomponist
- Eine Hochschule für einen neuen Beruf
- Wie Aitschürök zur Oper wurde
- Warum die Opern drei Autoren haben
- Lied, Chor und Bühne
- Die Hymne der Kirgisischen SSR
- Theater, Straße und 1-Som-Schein
- Häufige Fragen
Warum Maldybaev wichtig ist
Maldybaevs Lebensweg fällt in jene Zeit, in der kirgisische Musik aus mündlicher Überlieferung und Amateurensembles auf eine professionelle Bühne gelangte. Für akademische Formen ließ er die Liedtradition nicht hinter sich. Vielmehr brachte er das Gehör eines Sängers, seine Kenntnis der kirgisischen Sprache und praktische Bühnenerfahrung in Romanze, Chor, Kantate, Musikdrama und Oper ein.
Seine Bedeutung liegt ebenso in Institutionen wie in Kompositionen. Maldybaev leitete die erste Musikfachschule in Frunse, trat als Tenor und Schauspieler auf, schrieb für Theaterstücke und arbeitete mit Komponisten zusammen, die europäische Orchestrierung und Großform beherrschten. Aus dieser Zusammenarbeit entstand die erste Nationaloper.
Die Nationalbank der Kirgisischen Republik nennt rund 300 Werke, darunter mehr als 200 Lieder und Chöre. Die Zahl zeigt den Umfang, braucht aber eine Ergänzung: Viele Vokalwerke schrieb Maldybaev selbst, die großen Opern entstanden gemeinsam mit Wladimir Wlassow und Wladimir Fere.
Der „Sängerknabe“ aus Kara-Bulak
Abdylas Maldybaev wurde am 7. Juni 1906 im Dorf Kara-Bulak im Kreis Kemin geboren. Bei Schulkonzerten sang er so häufig, dass man ihn Yrtschy bala, „Sängerknabe“, nannte. Der Beiname weist bereits auf zwei spätere Berufe: Das Komponieren begann mit der Stimme, und der Interpret stand vor einem Publikum, bevor er eine Fachausbildung erhielt.
Sein erstes Lied Akynai entstand in der Jugend. Offizielle Biografien beschreiben es als zartes Lied über junge Liebe. Für seine Entwicklung ist besonders die Verbindung von eigenem Text, Melodie und Vortrag wichtig. Musik lebte hier nicht nur in Noten, sondern als Stück, das ein anderer Sänger behalten und weitertragen konnte.
1929 schloss Maldybaev das pädagogische Technikum in Frunse ab. Die Schule bildete Personal für das neue Bildungswesen aus; ihre Musik- und Theaterzirkel öffneten zugleich einen Weg zur Bühne. In diesem Umfeld wurde aus dem Schulkonzert schrittweise professionelles Theater.
Schauspieler, Tenor und Bühnenkomponist
Nach der Biografie der Nationalbank sprang Maldybaev zunächst für einen erkrankten Schauspieler ein. Aus dem Notfall wurde ein Beruf. Er spielte in Gogols Der Revisor, Furmanows Meuterei und Rachmankul Schukurbekows Schapalak Schatpassow.
Das Theater verlangte Fähigkeiten, die häusliches Musizieren nicht vermittelt: eine Rolle über den ganzen Abend zu halten, auf Partner zu reagieren, Pausen zu setzen und zu entscheiden, wann Musik eine Szene trägt oder dem Wort Platz lässt. Gemeinsam mit Pjotr Schubin schrieb Maldybaev Musik zum Schauspiel Karatschatsch. Der Darsteller entwickelte sich zum Bühnenkomponisten.
Auch nach seinen ersten großen Werken trat Maldybaev weiter auf. In Aitschürök sang er Kültschoro, einen Gefährten Semetejs. Seine Arbeit an der Oper blieb dadurch an die Praxis gebunden: Er wusste, wie kirgisische Wörter in einer Gesangslinie liegen und was eine Partie im vollständigen Bühnenablauf verlangt.
Eine Hochschule für einen neuen Beruf
1930 eröffnete in Frunse die erste Musikfachschule, deren Direktor Maldybaev wurde. Zugleich entwickelte sich das Theaterstudio zum Staatstheater. Diese Einrichtungen schufen ein ganzes Arbeitssystem. Musiker brauchten Unterricht in Notation, Gesang und Ensemble; die Bühne benötigte Solisten, Orchestermusiker, Dirigenten und eigenes Repertoire.
Maldybaev verband zunächst Verwaltung und Schauspiel, bevor er ganz ans Theater wechselte. Drei Linien blieben eng: Der Komponist formte musikalische Ideen, der Sänger prüfte sie mit der Stimme, der Schauspieler verstand den dramatischen Rhythmus. Die Bezeichnung „erster kirgisischer Komponist“ beschreibt deshalb vor allem seine verbindende Rolle, nicht die Erfindung eines Berufs durch einen einzelnen Menschen.
Ensembleunterricht gehört bis heute zur Musikkultur Kirgisistans
Von 1947 bis 1950 studierte Maldybaev im nationalen Studio des Moskauer Konservatoriums. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits ein erfahrener Bühnenkünstler und Komponist. Das Studium systematisierte Komposition und Orchestrierung, war aber nicht der Anfang seines Schaffens: Lieder, Theatermusik und die erste Oper waren früher entstanden.
Wie Aitschürök zur Oper wurde
Der Weg zur Oper führte über die Musikproduktion Altyn Kys und das Drama Aschal Orduna. Der nächste Schritt verlangte große Vokalpartien, eine lange Form und Orchester. Maldybaev schrieb Aitschürök mit Wladimir Wlassow und Wladimir Fere. Die Premiere am 12. April 1939 gilt in der offiziellen Musikgeschichte als Geburtsdatum der kirgisischen Nationaloper.
Die Handlung gehört zum Manas-Epenzyklus und zur Welt Semetejs. Bekannte Figuren traten nun in Arien, Ensembles, Chor- und Orchesterpassagen auf. Die Quelle blieb durch Namen, Konflikte, kirgisische Sprache und melodische Wendungen gegenwärtig. So führt die Oper zurück zur lebendigen Kunst der Manaschi.
Aitschürök zeigte, dass kirgisischer Stoff eine abendfüllende Oper tragen konnte. Die drei Komponisten arbeiteten anschließend an Patrioten, Manas, Am Ufer des Issyk-Kul und Toktogul. Jedes Werk stellte dieselbe Grundfrage neu: Wie können lokale Erzählung, Sprache und Melodik in einem professionellen Musiktheater funktionieren?
Warum die Opern drei Autoren haben
Die kurze Formel „Maldybaev schrieb die erste kirgisische Oper“ lässt eine wesentliche Information weg. Auf der Partitur von Aitschürök stehen drei Namen: Abdylas Maldybaev, Wladimir Wlassow und Wladimir Fere. Die gemeinsame Autorenschaft war weder Höflichkeit noch ein Grund, den Anteil eines Beteiligten kleinzureden.
Maldybaev brachte Kenntnis der gesungenen kirgisischen Sprache, lokaler Melodik und des praktischen Bühnenbetriebs ein. Wlassow und Fere verfügten über akademische Kompositionsausbildung und Erfahrung mit Großformen. Gemeinsam schufen sie eine Partitur, die ein Opernensemble aufführen konnte. Aufschlussreich ist gerade die Zusammenarbeit, nicht die Suche nach dem einen „wirklichen“ Autor.
Diese Arbeitsweise gehörte zugleich zum sowjetischen Aufbau professioneller Nationalkulturen. Sie vermittelte rasch Orchestertechnik, blieb aber Teil der Kulturpolitik ihrer Epoche. Die Opern sind daher Kunstwerke und historische Dokumente einer neu entstehenden Institution.
Lied, Chor und Bühne
Die Oper sicherte Maldybaev einen Platz in der Musikgeschichte, doch seine Lieder erreichten ein breiteres Publikum. Er schrieb Sololieder, Chöre, Romanzen, Kindermusik, Kantaten und Oratorien. Seine Herkunft vom Gesang zeigt sich in klaren Melodielinien und genauer Aufmerksamkeit für den natürlichen Fluss der Wörter.
Nicht jedes dieser Werke lässt sich einfach als „Volksmusik“ bezeichnen. Maldybaev griff auf traditionelle Lieder und Komuz-Musik zurück, schrieb aber eigene Kompositionen für bestimmte Künstler, Bühnen und Institutionen. Folklore und professionelle Komposition begegnen sich, ohne identisch zu werden.
Er blieb jahrzehntelang aktiver Interpret. Die Nationalbank hält fest, dass Maldybaev noch bis in die 1960er Jahre in Opern sang und spielte. Der Komponist überprüfte Musik weiterhin in der Aufführung, während die von ihm mitaufgebaute Struktur bereits eine neue Generation von Solisten ausgebildet hatte.
Die Hymne der Kirgisischen SSR
Wlassow, Maldybaev und Fere komponierten die Musik der 1946 eingeführten Hymne der Kirgisischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Der Notenkatalog der Russischen Staatsbibliothek bestätigt dieselben drei Namen. Gemeint ist die Hymne einer Sowjetrepublik, nicht die heutige Nationalhymne Kirgisistans.
Diese Unterscheidung verhindert, dass kurze Biografien zwei politische Epochen vermischen. Die aktuelle Hymne der Kirgisischen Republik entstand nach dem Ende der Sowjetunion; ihre Musik stammt von Nasyr Dawlessow und Kalyj Moldobassanow. Maldybaev gehört in diesem Punkt zu einer anderen Staats- und Musikgeschichte.
Theater, Straße und 1-Som-Schein
Abdylas Maldybaev starb am 1. Juni 1978 in Frunse. Im selben Jahr erhielt das Kirgisische Nationale Akademische Opern- und Balletttheater seinen Namen. Die Widmung passt genau: Sie erinnert an einen Komponisten, der zugleich Sänger, Schauspieler und Mitautor der frühen Opern dieses Hauses war.
Das Opern- und Balletttheater Abdylas Maldybaev in Bischkek. Foto: Davide Mauro, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; für diese Website bearbeitet.
Das Theater steht an der Abdrakhmanow-Straße im Zentrum von Bischkek, gegenüber dem nationalen Kunstmuseum. Seine Geschichte berührt auch die Biografie von Bübüsara Beischenalijewa, die zu den prägenden Künstlerinnen jener Bühne wurde, die heute Maldybaevs Namen trägt.
Sein Porträt erscheint auf dem älteren 1-Som-Schein. Die Rückseite zeigt Komuz, Kyl-Kyjak und das Gebäude der Nationalphilharmonie. Das Design verbindet eine Person, traditionelle Instrumente und eine professionelle Konzertinstitution. Auf der Rückseite des 5-Som-Scheins mit Beischenalijewa ist wiederum Maldybaevs Theater zu sehen.
Die Nationalbank der Kirgisischen Republik veröffentlicht die zentrale Chronologie und Werkübersicht. Ausbildung und Verbindung zur Hauptstadt dokumentiert außerdem die Stadtverwaltung Bischkek.
Häufige Fragen zu Abdylas Maldybaev
Wer war Abdylas Maldybaev?
Abdylas Maldybaev war ein kirgisischer Komponist, Operntenor und Schauspieler. Er leitete die erste Musikfachschule in Frunse, schrieb Lieder und Bühnenmusik, trat im Theater auf und wirkte an den ersten kirgisischen Opern mit.
Wer komponierte die Oper Aitschürök?
Aitschürök entstand gemeinsam von Abdylas Maldybaev, Wladimir Wlassow und Wladimir Fere. Die Premiere fand am 12. April 1939 statt und gilt als Geburtsdatum der kirgisischen Nationaloper.
Komponierte Maldybaev die heutige Nationalhymne Kirgisistans?
Nein. Maldybaev, Wlassow und Fere komponierten die Hymne der Kirgisischen SSR von 1946. Die heutige Hymne der Kirgisischen Republik entstand nach der Sowjetzeit; ihre Musik schrieben Nasyr Dawlessow und Kalyj Moldobassanow.
Warum trägt das Opern- und Balletttheater Maldybaevs Namen?
Maldybaev sang und spielte auf der Bühne, schrieb Theatermusik und war Mitautor der ersten Nationalopern. Das Kirgisische Nationale Akademische Opern- und Balletttheater erhielt 1978 seinen Namen.
Auf welchem Geldschein ist Abdylas Maldybaev abgebildet?
Sein Porträt steht auf der Vorderseite des älteren 1-Som-Scheins. Die Rückseite zeigt Komuz, Kyl-Kyjak und die Kirgisische Nationalphilharmonie in Bischkek.
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