Kambarata-1: Baufortschritt und möglicher Stromstart

Kambarata-1 wird am Naryn für die Hauptbauphase vorbereitet: Zufahrtsinfrastruktur entsteht bereits, doch Staudamm und Kraftwerk liegen noch vor dem Projekt.

Der Naryn im westlichen Teil der Kraftwerkskaskade. Der Standort von Kambarata-1 liegt weiter flussaufwärts. Foto: Ninara, Wikimedia Commons, CC BY 2.0; für diese Website bearbeitet.

Geprüft am 25. August 2026. Vorbereitende Infrastruktur wird gebaut, der eigentliche Damm, Stausee und das Maschinenhaus sind jedoch nicht fertig. Finanzierung und zwischenstaatliche Struktur der Hauptphase werden noch ausgearbeitet.

Was der heutige Projektstatus wirklich bedeutet

Kambarata-1 wird häufig als Wasserkraftwerk im Bau bezeichnet. Bisher konzentrieren sich die Arbeiten jedoch auf die Infrastruktur, die vor der Hauptphase nötig ist: Straßen, einen Zugangstunnel, eine Brücke über den Naryn, eine 110-kV-Leitung, ein Umspannwerk und ein Arbeiterlager. Der hohe Staudamm und das Kraftwerk selbst wurden noch nicht errichtet.

Diese Unterscheidung ist auch wirtschaftlich wichtig. Vorarbeiten schaffen bereits Aufträge für Bau und Zulieferer. Neue Stromerzeugung beginnt erst nach Hauptbau, Aufstau, Anlagenmontage und Tests. Unser Überblick zu Kirgisistans Großprojekten 2026 erklärt, warum diese Phasen nicht gleichgesetzt werden dürfen.

Vorbereitungsphase

Zufahrt entsteht

  • Ein 126 m langer Transporttunnel ist ausgebrochen.
  • Straßen, Brücke, Baustrom und Lager waren im Bau.
  • Sie schaffen Zugang für die spätere Hauptphase.
Hauptphase

Noch kein Hauptdamm

  • Maschinenhaus und Hochwasserentlastung sind nicht fertig.
  • Der Stausee wurde nicht gefüllt.
  • Das Kraftwerk erzeugt heute keinen Strom.
Finanzstatus

Keine Gesamtfinanzierung

  • Technische Hilfe der Weltbank ist finanziert.
  • Die Baufinanzierung wird weiter strukturiert.
  • Die gemeinsame Gesellschaft dreier Länder bleibt geplant.

Wie Kambarata-1 geplant ist

Das aktuelle öffentliche Datenblatt der Weltbank nennt 1.860 MW Leistung, einen 261 m hohen Betondamm, 5,2 Milliarden Kubikmeter Speicherraum und ungefähr 6.000 GWh Jahreserzeugung. Das sind Entwurfswerte, keine Daten eines laufenden Kraftwerks.

Einige ältere und technische Unterlagen nennen weiterhin 256 m, 5,4 Milliarden Kubikmeter und 5.600 GWh. Die Unterschiede hängen mit der Aktualisierung der Machbarkeitsstudie und verschiedenen Varianten zusammen. Belastbar ist das Gesamtbild: ein etwa 260 m hoher Damm, ein großer saisonaler Speicher und 1,86 GW Kraftwerksleistung. Die endgültig genehmigte Planung muss die genauen Werte festlegen.

Nach Angaben des kirgisischen Energieministeriums ist Walzbeton vorgesehen. Dabei wird Beton in Lagen eingebaut und mit Walzen verdichtet, was sich für einen massiven Damm eignet. Gründung, Entlastungsanlagen, Temperaturkontrolle, Erdbebenbemessung und unabhängige Sicherheitsprüfung bleiben trotzdem anspruchsvoll.

Die Lage von Kambarata-1 in der Naryn-Kaskade

Das künftige Kraftwerk liegt oberhalb des bestehenden Kambarata-2 und der gesamten Toktogul-Kaskade. Das von Kambarata-1 abgegebene Wasser fließt weiter durch die Anlagen flussabwärts. Der neue Speicher würde damit eine Kette von Kraftwerken beeinflussen, nicht nur einen isolierten Standort.

Schema der Naryn-Kaskade mit dem künftigen Kambarata-1 oberhalb von Kambarata-2, Toktogul, Kurpsai und Tasch-Kumyr Kambarata-1 in der Naryn-Kaskade. Das Schema zeigt die Reihenfolge flussabwärts, nicht Entfernungen oder Maßstab. Abbildung: I Love KG.

Ein großer Speicher kann Erzeugung teilweise zwischen den Jahreszeiten verschieben. Wasser lässt sich bei höherem Zufluss zurückhalten und für den Strombedarf im Winter nutzen. Flussabwärts wird es zugleich für sommerliche Bewässerung gebraucht. Der Betrieb kann deshalb nicht nur nach den Interessen eines Kraftwerks erfolgen.

Betondamm des Toktogul-Kraftwerks zwischen steilen Felswänden Das bestehende Toktogul-Kraftwerk weiter flussabwärts. Es ist nicht Kambarata-1, sondern Teil der heutigen Kaskade. Foto: heinerbischkek, Wikimedia Commons, freie Nutzung erlaubt; für diese Website bearbeitet.

Was von der vorbereitenden Infrastruktur fertig ist

Die letzte detaillierte amtliche Aufstellung veröffentlichte das Energieministerium im März 2026. Der 126 m lange Zugangstunnel war vollständig ausgebrochen. Der Unterbau für 11,2 km Straßen war zu etwa 85% fertig, 63% waren betoniert. Die Brücke wurde mit 40-50%, das Lager für 100 Personen mit 60% angegeben.

Am 16. April erwartete das Ministerium den Abschluss der wesentlichen Vorarbeiten bis Monatsende. Das war eine Prognose, keine veröffentlichte Abnahme jedes einzelnen Objekts. Für August 2026 ist deshalb die belastbare Aussage: Die Vorbereitung ist weit fortgeschritten, eine gesonderte öffentliche Bestätigung für die formelle Fertigstellung des Gesamtpakets liegt nicht vor.

Die Brücke ist für schwere Geräte wichtig, weil sie den Standort mit dem rechten Ufer verbindet. Die 110-kV-Leitung und das Umspannwerk versorgen zunächst die Baustelle. Ihre Fertigstellung setzt keine Turbine in Betrieb, sondern ermöglicht größere Erd-, Beton- und Montagearbeiten.

Kosten und mögliche Finanzierung

Die Kostenschätzung änderte sich mit Planung und Preisen. Dokumente der Weltbank nennen ungefähr 4,5 bis 4,7 Milliarden US-Dollar. Das ist weder eine endgültige Rechnung noch ein bereits ausgezahlter Baukredit.

Für technische Vorbereitung wurden 18,6 Millionen US-Dollar bewilligt. Damit werden Machbarkeitsstudie, Umwelt- und Sozialinstrumente, Finanzmodell und Umsetzungshilfe bezahlt. Für den Bau prüft die Weltbank ein mehrstufiges Programm von bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar, sofern es genehmigt wird. Die restliche Finanzierung soll gemeinsam mit weiteren Entwicklungsbanken und den beteiligten Staaten zusammengestellt werden.

Drei Aussagen müssen getrennt bleiben: Geld für Studien wurde bewilligt; eine Bank prüft Baufinanzierung; das Gesamtprojekt hat den Financial Close erreicht. Im August 2026 sind die ersten beiden Aussagen belegt, die dritte nicht. Das Datenblatt der Weltbank zu Kambarata-1 beschreibt die aktuelle Struktur.

Warum Kirgisistan, Kasachstan und Usbekistan beteiligt sind

Weiter flussabwärts wird der Naryn zur Syrdarja. Wasser und Strom betreffen damit mehrere Länder. Kirgisistan braucht Wintererzeugung und einen kleineren Strommangel. Kasachstan und Usbekistan sind an einem berechenbaren Wasserregime für Energie und Bewässerung sowie an Strombezug interessiert.

Die geplante gemeinsame Gesellschaft soll ihren Sitz in Kirgisistan haben. Vorgesehen sind 34% für Kirgisistan und jeweils 33% für Kasachstan und Usbekistan. Diese Anteile hängen noch vom Regierungsabkommen, der Finanzierung und endgültigen Rechtsdokumenten ab. Sie sind noch keine arbeitende Eigentümerstruktur oder feststehende Gewinnverteilung.

Für Kirgisistans Wirtschaft geht es um mehr als künftige Stromverkäufe. Bau, Transport, Material, Ingenieurleistungen und Schuldendienst wirken in verschiedenen Phasen unterschiedlich. Einnahmen des fertigen Kraftwerks folgen später und hängen von Tarifen, Käufern, Wasserführung und Finanzierungsbedingungen ab.

Was bei Wasser, Natur und Gemeinden geprüft wird

Ein großer Speicher verändert einen Flussabschnitt und die Landnutzung. Die Projektprüfungen behandeln saisonale Abflüsse, Wasserqualität, Fische und Landlebensräume, Kulturstätten, Bewegungseinschränkungen, den Zuzug von Arbeitskräften und Folgen für lokale Einkommen.

In den Jahren 2024 und 2025 fanden Konsultationen mit Gemeinden, Zivilgesellschaft und Nachbarstaaten statt. Entwürfe für Umwelt- und Sozialprüfung, Managementplan, Beschwerdemechanismus sowie einen Rahmen für Wiederherstellung von Lebensgrundlagen und Umsiedlung liegen vor. Solche Dokumente bedeuten nicht, dass es keine Auswirkungen gibt. Sie sollen diese vor der Hauptbauphase bestimmen und Minderung sowie Ausgleich festlegen.

Toktogul-Stausee und umliegende Berge aus der Luft Der Toktogul-Stausee flussabwärts zeigt den Umfang der heutigen Regulierung des Naryn. Kambarata-1 würde einen eigenen Speicher schaffen. Foto: Thermokarst, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0; für diese Website bearbeitet.

Bei einem Damm dieser Höhe brauchen Erdbebenbemessung und Sicherheit besondere Aufmerksamkeit. AFRY aktualisiert die Machbarkeitsstudie, ein unabhängiges internationales Damm-Sicherheitsgremium prüft das Projekt. Diese Kontrolle muss Planung, Bau, Erstaufstau und Inbetriebnahme begleiten.

Wann wird Kambarata-1 Strom erzeugen?

Ein bestätigtes Jahr für die erste Erzeugung gibt es nicht. Analytische Unterlagen nennen Bauzeiträume bis in die frühen 2030er-Jahre. Regierungsabkommen, Gesamtfinanzierung, endgültige Planung, Hauptverträge und Bauarbeiten haben jedoch noch eigene Entscheidungspunkte.

Aussagekräftig ist die Abfolge: unterzeichnetes und ratifiziertes Drei-Länder-Abkommen, arbeitende Projektgesellschaft, Finanzierungsabschluss, genehmigte Planung, Hauptvergaben, Bau von Damm und Maschinenhaus, Anlagenmontage, Aufstau und Tests. Ohne diese Kette bleibt ein genauer Inbetriebnahmetermin ein Versprechen.

Der Stand der Vorarbeiten und die Finanzierungsgespräche stehen in der Mitteilung des Energieministeriums vom 16. April 2026.

Können Reisende Kambarata-1 besuchen?

Die Baustelle ist keine Sehenswürdigkeit. Schwere Geräte, Sicherheitsdienst und Projektverkehr nutzen die eigens gebauten Straßen. Wir veröffentlichen keinen Kartenpunkt und keine Zufahrt zur kontrollierten Zone, denn eine Markierung gewährt keinen Zugang.

Den hydrotechnischen Zusammenhang erkennt man sicherer an öffentlichen Abschnitten der Straße Bischkek-Osch und in Kara-Köl, das neben der bestehenden Toktogul-Kaskade entstand. Auch dort bleiben Dämme, Umspannwerke, Tunnel und Betriebsstraßen kontrollierte Infrastruktur. Überqueren Sie keine Absperrung und fliegen Sie dort keine Drohne.

Toktogul-Stausee und Ferganagebirge an einem klaren Tag Ein öffentlicher Blick auf den Toktogul-Stausee weiter unten in der Kaskade vermittelt Maßstab, ohne die Baustelle von Kambarata-1 zu betreten. Foto: Arthur Dolchenko, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; für diese Website bearbeitet.

Nutzen Sie für die Fahrt Bischkek-Osch aktuelle Straßeninformationen. Kambarata-1 sollte kein spontaner Abstecher zu einem bewachten Industriestandort werden.

Häufige Fragen

Wird Kambarata-1 bereits gebaut?

Ja, wenn damit Zufahrtsstraßen, Tunnel, Brücke, Baustrom und Arbeiterlager gemeint sind. Hauptdamm, Maschinenhaus und Stausee sind nicht fertig, daher erzeugt das Kraftwerk keinen Strom.

Welche Leistung soll Kambarata-1 haben?

Der aktuelle öffentliche Entwurf nennt 1.860 MW und ungefähr 6.000 GWh erwartete Jahreserzeugung. Es bleiben Projektwerte, bis Bau und Inbetriebnahme abgeschlossen sind.

Wem wird Kambarata-1 gehören?

Geplant ist eine gemeinsame Gesellschaft mit 34% für Kirgisistan und jeweils 33% für Kasachstan und Usbekistan. Das Regierungsabkommen und die endgültige Struktur werden noch vorbereitet.

Was kostet Kambarata-1?

Arbeitsschätzungen liegen bei etwa 4,5 bis 4,7 Milliarden US-Dollar. Die gesamte Baufinanzierung ist noch nicht abgeschlossen, daher können Betrag und Bedingungen sich ändern.

Wann geht Kambarata-1 in Betrieb?

Ein bestätigter Termin für die erste Erzeugung fehlt. Zuvor braucht es Regierungsabkommen, Finanzierung, Hauptbau, Anlagenmontage, Aufstau und Tests.

Darf man die Baustelle von Kambarata-1 besuchen?

Die Arbeitszone ist keine Sehenswürdigkeit. Projekt- und Betriebsstraßen gewähren keinen öffentlichen Zugang; Sicherheits- und Schutzregeln haben Vorrang.

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