Toguz Korgool in Kirgisistan

Toguz Korgool ist ein strategisches Brettspiel für zwei Personen mit 18 Häusern und zwei Sammelmulden, den Kazans. Beide Seiten beginnen mit je 81 Korgools; wer mindestens 82 im eigenen Kazan sammelt, gewinnt.

Eine Partie Toguz Korgool beim Brettspielfestival Deskohraní 2008. Foto: Matěj Baťha, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0; für diese Website bearbeitet.

Die Partie in einem Satz: Wählen Sie ein nicht leeres Haus auf Ihrer Seite, verteilen Sie seine Korgools einzeln gegen den Uhrzeigersinn und prüfen Sie das Haus, in dem der letzte Stein landet. Dort entscheidet sich, ob Sie erobern, einen Tuz bilden oder einfach abgeben.

Das Brett lesen

Beide Seiten besitzen eine Reihe aus neun kleinen Mulden, den Häusern, und eine große Sammelmulde, den Kazan. Die Häuser sind aus Sicht ihres Besitzers von links nach rechts mit 1 bis 9 nummeriert. Wer dem Gegner gegenübersitzt, sieht dessen Reihe deshalb spiegelverkehrt.

Zu Beginn liegen in jedem Haus neun Korgools. Insgesamt sind 162 Spielsteine im Umlauf, 81 pro Seite, während beide Kazans leer bleiben. Für eine private Runde genügen gleich große Kiesel, Perlen, Nüsse oder Samen, sofern sie sich schnell zählen lassen.

Spielreihe

Neun Häuser

  • Ein Zug darf in jedem nicht leeren Haus der eigenen Seite beginnen.
  • Die Nummerierung hilft beim Aufschreiben und beim Berechnen des letzten Hauses.
  • Haus 9 heißt Ooz und darf nie zu einem Tuz werden.
Punktestand

Der Kazan

  • Eroberte Korgools kommen in den eigenen Kazan.
  • Steine im Kazan bleiben aus dem weiteren Spiel.
  • 82 Steine sichern den Sieg, 81 auf beiden Seiten bedeuten Remis.
Spielmaterial

162 Korgools

  • Moderne Sets verwenden Kugeln aus Holz, Kunststoff oder anderen Materialien.
  • Die Steine sollten ähnlich groß und leicht zu zählen sein.
  • Früher konnte man Mulden in den Boden setzen und mit verfügbaren kleinen Gegenständen spielen.

Toguz korgool

Ausgangsstellung

Beide Seiten haben neun Häuser mit jeweils neun Korgools. Die beiden Kazans in der Brettmitte sind zu Beginn leer.

18 Häuser 162 Korgools 2 Kazans
Gegnerische Seite
9
8
7
6
5
4
3
2
1
Gegnerischer Kazan0leer
Eigener Kazan0leer
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Eigene Seite

Die Züge laufen gegen den Uhrzeigersinn

So funktioniert ein Zug

  1. Ein eigenes Haus wählen

    Darin muss mindestens ein Korgool liegen. Ein Zug darf nie in der gegnerischen Reihe beginnen.

  2. Alle Korgools aufnehmen

    Bei mehr als einem Stein legen Sie den ersten in dasselbe Haus zurück und verteilen den Rest einzeln auf die folgenden Häuser.

  3. Gegen den Uhrzeigersinn weiterziehen

    Nach dem eigenen neunten Haus geht die Verteilung im ersten Haus des Gegners weiter und läuft durch dessen Reihe.

  4. Einen einzelnen Korgool anders behandeln

    Lag im gewählten Haus nur ein Stein, bleibt dieses Haus leer und der Stein wandert direkt in das nächste.

  5. Das letzte Haus prüfen

    Der Zielort des letzten Korgools entscheidet über Eroberung, Tuz oder das gewöhnliche Ende des Zuges.

In der ersten Partie hilft es, die Folge laut mitzusprechen: „Einer bleibt hier, dann zwei, drei, vier.“ Das dauert länger, verhindert aber die häufigsten mechanischen Fehler: ein Haus zu überspringen oder zwei Steine in dieselbe Mulde zu legen.

Erobern und Tuz

Eine gewöhnliche Eroberung gelingt, wenn der letzte Korgool auf der gegnerischen Seite landet und die Zahl in diesem Haus gerade macht. Der gesamte Inhalt dieses Hauses wandert in den eigenen Kazan. Bei einer ungeraden Zahl bleibt alles liegen. Eine gerade Zahl auf der eigenen Seite bringt keine Steine ein.

Ein Tuz entsteht, wenn der letzte Korgool in einem gegnerischen Haus mit zuvor zwei Steinen landet und die Zahl damit genau drei erreicht. Sie nehmen diese drei Steine, erklären das Haus zum Tuz und markieren es. Jeder Korgool, der später dort landet, geht sofort in Ihren Kazan.

Ein Tuz bringt keinen zusätzlichen Zug. Er verändert den langfristigen Wert eines Hauses. Gute Spieler wägen die sofort eroberten drei Steine gegen alle späteren Korgools ab, die durch diese Mulde laufen könnten.

So endet die Partie

Die Partie endet, sobald eine Seite 82 Korgools gesammelt hat oder auf der Seite eines Spielers kein Korgool mehr liegt und damit kein Zug möglich ist. Im zweiten Fall legt der Gegner sämtliche Steine, die noch in seiner eigenen Reihe liegen, in seinen Kazan. Danach wird abgerechnet.

Mit 82 oder mehr Korgools gewinnt man. Ein Endstand von 81:81 ist ein Remis. Die Grenze lässt sich leicht merken: Das Set enthält 162 Steine, für den sicheren Sieg braucht man also die Hälfte plus einen.

Was Einsteiger zählen sollten

Der erste Rechenschritt besteht darin, das letzte Haus zuverlässig zu finden. Enthält das Ausgangshaus mehr als einen Korgool, landet der letzte Stein so viele Schritte weiter, wie die Anzahl im Haus minus eins ergibt. Ein einzelner Korgool zieht immer genau ein Haus vorwärts.

Sofortiges Ergebnis

Wo landet der letzte Stein?

  • Prüfen Sie, ob er auf Ihrer Seite bleibt oder zum Gegner wechselt.
  • Zählen Sie die neue Gesamtzahl im Zielhaus.
  • Achten Sie besonders auf gerade Zahlen und auf genau drei.
Antwort des Gegners

Was bleibt zurück?

  • Ein leeres Haus kann eine nützliche Folge späterer Züge unterbrechen.
  • Ein großer Haufen reicht weit, lässt sich für den Gegner aber gut berechnen.
  • Prüfen Sie, ob Ihr Zug eine leichte Eroberung im nächsten Zug vorbereitet.
Partieplan

Wie ändert sich das Gleichgewicht?

  • Zählen Sie beide Kazans und nicht nur die Steine auf dem Brett.
  • Beobachten Sie, auf welcher Seite zuerst die legalen Züge ausgehen könnten.
  • Tauschen Sie langfristige Initiative nicht automatisch gegen eine kleine Eroberung.

Ein blaues Toguz-Korgool-Brett mit ungleich verteilten Steinen in der Mitte einer Partie

Eine Stellung nach mehreren Zügen. Foto: Matěj Baťha, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5; für diese Website bearbeitet.

Die erste Partie

  1. Legen Sie je neun Korgools in alle 18 Häuser und prüfen Sie vor Beginn die Gesamtzahl.
  2. Setzen Sie sich gegenüber und klären Sie, welche Reihe zu welcher Seite gehört.
  3. Spielen Sie die ersten Züge ohne Uhr und sprechen Sie die Verteilungsrichtung laut aus.
  4. Prüfen Sie nach jedem Zug gemeinsam nur das letzte Haus und mögliche Steine für den Kazan.
  5. Markieren Sie einen Tuz mit einem Gegenstand, der nicht mit einem Korgool verwechselt werden kann.
  6. Notieren Sie mindestens das Ausgangshaus und die Zahl eroberter Steine. So finden Sie Fehler schneller.

Eine langsam ausgespielte Partie mit korrigierten Fehlern bringt mehr als fünf abgebrochene Anfänge. Geht beim Verteilen etwas schief, stellen Sie die Position anhand Ihrer Notiz wieder her oder nehmen den Zug einvernehmlich zurück. Ein Streit aus dem Gedächtnis schult keine Berechnung.

Turnierpartien und Notation

Im Wettkampf laufen Uhren, und die Teilnehmenden können ihre Züge auf einem Partieformular notieren. Bedenkzeit, Paarungssystem, Rundenzahl und Ergebnisverfahren stehen in der Ausschreibung des jeweiligen Turniers. Für eine erste Partie zu Hause ist dieser Apparat nicht nötig.

Toguz Korgool ist ein lebendiger Denksport, der in Schulen und Vereinen unterrichtet und bei städtischen, nationalen und internationalen Turnieren gespielt wird. In Kasachstan begegnet Ihnen häufiger der Name Togyzqumalaq. Die Spiele sind eng verwandt, doch im Wettkampf gelten Terminologie und Regelwerk des Veranstalters.

Zuschauen und selbst spielen

In Bischkek gehört Toguz Korgool zu Schulligen, Kinder- und Jugendsportschulen, Hochschulgruppen und manchen städtischen Festprogrammen. Regelmäßige Trainings richten sich meist an angemeldete Schüler. Fragen Sie deshalb vorher, ob Gäste zuschauen oder eine Einführung mit einem Trainer vereinbaren dürfen.

Suchen Sie bei einem Festival neben dem Turnier nach einer Vorführ- oder Workshopzone. An einen registrierten Wettkampftisch kann man sich nicht spontan setzen; ein offenes Brett ist dagegen für Neulinge gedacht. Klären Sie Sprache, Dauer und die Erlaubnis zum Fotografieren, besonders wenn Kinder mitspielen.

Der nächste große Termin: Im offiziellen Kalender der Weltspiele der Nomaden 2026 steht Toguz Korgool am 2. September im Hotel Eurasia am Issyk-Kul. Prüfen Sie Uhrzeit, Zutritt und mögliche Änderungen kurz vor der Fahrt auf der Veranstaltungsseite.

Für das Selbststudium können Sie den englischen Spielüberblick der Fachseite neben ein echtes Brett legen. Eine App prüft zwar die Mechanik, doch am physischen Set sieht man Zugweite, Zählfehler und die tatsächliche Menge der bewegten Steine deutlich schneller.

Lebendiges Kulturerbe und Brettkunst

2020 nahm UNESCO das gemeinsame Element „Togyzqumalaq, Toguz Korgool, Mangala/Göçürme“ für Kasachstan, Kirgisistan und die Türkei in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Die Formulierung erkennt die Verwandtschaft dieser Spiele an und lässt zugleich Raum für lokale Regeln, Vermittlungswege und Brettformen.

Das Wissen wird in Familien, Schulen, Vereinen und Turnieren weitergegeben. Ein Brett kann aus Holz geschnitzt, aus einfachen Behältern gebaut oder als Reihe von Mulden im Boden angelegt werden. Ein reich verziertes Set gehört zur Handwerkstradition, verändert aber nicht die Mathematik der Partie.

Ein rundes geschnitztes Toguz-Korgool-Brett liegt auf gemustertem Stoff

Ein dekoratives Toguz-Korgool-Brett aus Holz. Foto: Arthoum, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0; für diese Website bearbeitet.

Ein hölzernes Togyzqumalaq-Brett vom Anfang des 20. Jahrhunderts mit zwei Häuserringen und zwei Kazans

Togyzqumalaq-Brett von Muchtar Äuesow, Anfang des 20. Jahrhunderts. Foto: Bekbal, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; für diese Website bearbeitet.

Wie es weitergeht

Unser Überblick zur Kultur Kirgisistans ordnet Toguz Korgool neben mündlichen Traditionen, Musik, Handwerk und Gegenwartskultur ein. Einen starken Kontrast bieten das berittene Kök Börü und das traditionelle Bogenschießen. Alle drei kennen Wettkampfformen, verlangen aber völlig unterschiedliche Räume, Vorbereitung und Sicherheitsregeln.

Häufige Fragen zu Toguz Korgool

Wie viele Korgools braucht man?

Ein vollständiger Satz enthält 162 Korgools. Zu Beginn liegen in jedem der 18 Häuser neun, während die beiden Kazans leer bleiben.

Wie viele Korgools braucht man zum Sieg?

Mit 82 oder mehr gewinnt man. Haben beide Seiten am Ende 81, ist die Partie remis.

Wann darf ich gegnerische Korgools erobern?

Landet der letzte Korgool Ihres Zuges in einem gegnerischen Haus und macht dessen Zahl gerade, kommt der gesamte Inhalt dieses Hauses in Ihren Kazan. Auf der eigenen Seite gilt diese Regel nicht.

Was ist ein Tuz?

Zum Tuz wird ein gegnerisches Haus, in dem Ihr letzter Korgool die Zahl genau auf drei erhöht. Diese drei und alle später dort landenden Korgools kommen in Ihren Kazan. Jede Seite darf nur einen Tuz besitzen.

Kann Haus 9 ein Tuz werden?

Nein. Haus 9 darf nie zum Tuz werden. Außerdem ist ein Tuz nicht in dem Haus erlaubt, das dieselbe Nummer wie der gegnerische Tuz trägt.

Eignet sich ein gewöhnliches Mancala-Brett?

Nur wenn es zwei Reihen mit je neun Häusern und zwei getrennte Kazans besitzt. Viele andere Mancala-Spiele haben eine andere Zahl von Mulden, Startsteinen und Eroberungsregeln.

Mehr zum Thema: Traditionelles Bogenschießen in Kirgisistan, Weltspiele der Nomaden 2026 in Kirgisistan, Die kirgisische Jurte: Aufbau, Handwerk und heutiges Leben.

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